Fachpraxis für Kieferorthopädie Dr. Brigitte Schnell Lachen ist Leben - wir machen es schöner
Qualitätsmanagement zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015
Kassenleistung: erst bei einer Frontzahnstufe über 6 mm.
Kassenleistung: erst bei einem offenen Biss über 2 mm.
Daniela Kuhlmann führte aus Verbrauchersicht ein Interview mit der Schongauer Kiefer- orthopädin Dr. Brigitte Schnell zum Themenkreis, Behandlung von Zahnfehlstellungen, optimaler Behandlungsbeginn und Kostenfrage. Welche Optionen haben Eltern heute, um ihren Kindern eine optimale Zahn- Korrektur zu ermöglichen?
Frau K: Sie sind Kieferorthopädin in Schongau. Stimmt es, dass die Zahl der Kinder, die eine kieferorthopädische Behandlung benötigen, ständig steigt? Und was ist der Grund hierfür? Dr. Schnell: Das ist evolutionär bedingt. Unser Kiefer wird aufgrund der weicheren und gekochten Nahrung immer kleiner, während die Anzahl der Zähne bleibt. Deswegen leiden be- reits 60 % der Kinder an einer Zahnfehlstellung. Frau K: Im test-Heft 3/2010 der Stiftung Warentest ist ein Artikel zum Thema Kieferortho- pädie und Kostenfragen erschienen. Hier heißt es, dass die gesetzliche Krankenkasse nur circa 50% der kieferorthopädischen Behandlungen bezuschusst. Woran liegt das und wer entscheidet das? Dr. Schnell: Der Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber die Kostenübernahme kieferorthopädi- scher Behandlungen im Jahr 2002 an ein System geknüpft hat, das mögliche Fehl- stellungen in 5 Indikationsgruppen (KIG 1-5) aufteilt, von denen nur die Stufen 3-5 durch die gesetzliche Kasse bezuschusst werden - und nur, wenn die Behandlung „zweckmäßig, ausreichend und wirtschaftlich“ erscheint. Frau K: Die KIG Fälle 1 und 2 erhalten also keinen Zuschuss? Sind das dann die leichten und kosmetischen Fälle, die schnell und preiswert korrigiert werden können? Dr. Schnell: Nicht unbedingt. Es werden z. B. alle Patienten mit einem Deckbiss, dass heißt die oberen Schneidezähne stehen steil und überdecken die unteren, ausgegrenzt. Diese Fehlstellung verschlimmert sich im Laufe der Zeit und die Patienten kommen dann als Erwachsene mit abradierten Schneidezähnen und oft Nacken- oder Kiefergelenk- schmerzen zu mir in die Praxis. Frau K: Wie erfährt der Patient, ob er einen Zuschuss von seiner gesetzlichen Krankenkasse für die Kieferorthopädische Behandlung bekommt? Dr. Schnell: Bei der Erstberatung - diese ist völlig unverbindlich - informiere ich die Eltern dar- über, ob eine Zahn- bzw. Kieferfehlstellung vorliegt und wie die optimale Behandlung ablaufen würde. Selbstverständlich gehört dazu auch die Einstufung in das KIG-Sys- tem. Optimal ist es, wenn die Eltern rechtzeitig, also bevor über eine kieferorthopä- dische Behandlung nachgedacht wird, eine private Zusatzversicherung für ihre Kin- der abschließen. Frau K: Welche Vorteile haben denn Patienten, die zur Erstberatung zu Ihnen in die Praxis kommen? Dr. Schnell: Der Patient und die Eltern erhalten nach Herstellung der diagnostischen Unterlagen (= digitale Röntgenbilder und Modelle) einen zweiten Beratungstermin. Hier erfährt er anhand der Modelle und Röntgenbilder welche Fehlstellungen korrigiert werden sollten. Dann bekommt er einen Behandlungsvorschlag anhand von Modellen und Bildern gezeigt. Es werden auch alternative Vorschläge gegeben, so dass der Patient auswählen kann. Frau K: Welche Kriterien legen Sie dabei zugrunde, wenn es zwei Behandlungsmethoden gibt? Dr. Schnell: Ich wähle die für den Patienten beste Methode. Das bedeutet z. B., dass ich bei star- ken Engständen versuche Platz zu schaffen, um die spätere Entfernung bleibender Zähne zu vermeiden. Deshalb ist dafür oft ein früherer Behandlungbeginn erforder- lich, als es für die kassenwirtschaftliche Behandlung notwendig wäre. Frau K: Sie spielen mit dieser Bemerkung vermutlich auf S. 85 des Testhefts „Stiftung War- entest“ (3/2010) an. Dort wird den Eltern geraten, die Therapie aufzuschieben bis sich die Fehlstellung noch weiter verstärkt hat, damit die gesetzliche Krankenversicherung sich an den anfallenden Kosten beteiligen muss. Was halten Sie von dieser Empfeh- lung? Dr. Schnell: Das kann auch kontraproduktiv sein. Wenn Eltern z.B warten bis sich die Frontzahn- stufe ihrer Tochter von 5,5 mm auf 6,5 mm verschlechtert und dann mit der 13-Jäh- rigen zur KFO-Beratung erscheinen, dann ist bei Mädchen oft das Kieferwachstum bereits weitgehend abgeschlossen. Die Chance zur Bisslagekorrektur, bei der das Unterkieferwachstum gefördert wird, ist vertan. Eine Behandlung ist noch möglich, der therapeutische Einsatz jedoch aufwändiger. Bei einem früheren Behandlungsbe- ginn wäre die Bisslage in diesem Alter bereits korrigiert. Frau K: Was empfehlen Sie also Eltern, um Ihren Kindern eine optimale Zahnkorrektur zu ermöglichen? Dr. Schnell: Ich rate allen Eltern, selbst bestimmt vorzugehen und bewusst zu vergleichen, wel- che Behandlung die besten Erfolgschancen und die geringste Belastung für ihr Kind darstellt und welcher Investitionsaufwand hierfür nötig ist. Die Voraussetzung dazu ist, sich im Vorfeld gründlich und umfassend zu informieren, z.B. über alternative Be- handlungsmethoden und den optimalen Behandlungsbeginn, aber auch über die ex- akte Zusammensetzung der zu erwartenden Kosten. Ganz wichtig ist es, die Möglich- keiten einer privaten Zusatzversicherung abzuklären, um dann frei von Kostensorgen entscheiden zu können, was das Beste für ihr Kind ist. Frau K: Vielen Dank für das Gespräch!
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